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Bundespräsident Steinmeier besucht Gambia!

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Copyright Porträt von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier "Bundesregierung/Steffen Kugler"

Erste Station der Westafrikareise des Bundespräsidenten ist vom 11. bis 13. Dezember Ghana und wird seine Reise nach Gambia fortsetzen, wo er am Mittwoch Nachmittag erwartet wird. Im Mittelpunkt der Gespräche mit dem Präsidenten der Republik Gambia, Adama Barrow, stehen die Themen Migration und Versöhnung. Dazu trifft der Bundespräsident auch Vertreter der Zivilgesellschaft, sogenannte Rückkehrer und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen. Außerdem besucht der Bundespräsident ein Krankenhaus des Arbeiter-Samariter-Bundes und die Amadou Bansang Jobarteh-Musikschule in Banjul.

Das haben wir uns verdient.

Mit den Wahlen 2016 hat Gambia bewiesen, das es ein von Grund auf friedliches und demokratisches Land ist. Noch vor einem Jahr fürchteten viele, es könne zu einem blutigen Krieg in der Region kommen. Doch durch Verhandlungsgeschick und das Mitwirken anderer afrikanischer Präsidenten wurde das Unglück erfolgreich abgewendet. Jammeh musste gehen. Der friedliche Ablauf macht Gambia zum Vorzeigeland der Demokratisierung auf dem afrikanischen Kontinent. Das "Neue Gambia" muss sich mit vielen Herausforderungen auseinandersetzen. Versöhnung der ehemaligen politischen Gegner und der Leidtragenden von Menschenrechtsverletzungen ist dabei ein wichtiges Thema.

Die ersten und die zweite Republik haben versagt

Jammeh, der von Einmischung westlicher Mächte in „seinem“ Land nichts hielt, hatte sich immer mehr von Europa distanziert. Mit ein Grund für seine Verärgerung war möglicherweise, dass seit seiner Amtsübernahme in 1994 Europa mehr und mehr die für das Land so wichtige Unterstützung zurückgezogen ja verweigert hatte. Dabei war gerade er, Jammeh, ursprünglich gegen die Korruption und die mafiösen Machtstrukturen in Gambia angetreten. Diese „Unberührbaren“ hatten schnell nach der Unabhängigkeit Gambias das Land finanziell geplündert und die Gelder auf ihre Konten im Ausland gebracht. Damals gab es kaum weiterführende Schulen, wenige Krankenhäuser, keine medizinische Versorgung im ganzen Land und auch keine Universität. Aber Gambia war das "Einkaufsland" der Westküste. Von hier wurde nach überall in die Region exportiert und die Menschen kamen nach Banjul um einzukaufen. Es wurde fast überwiegend mit FCFA gehandelt. 

Jammeh hat versucht vieles zu ändern, vieles erreicht, aber auch er musste immer wieder gegen die alten Machtstrukturen ankämpfen. Er folgte dabei weiter dem Plan Vision 2020, der bereits vor seinem Amtsantritt von einem Schüler des berühmten Wirtschaftsstrategen Michael Porters in einem vierzehntägigen Besuch in einem 5 Sterne Hotel in Banjul erstellt wurde. Auch war es schwer an Fördermittel zu kommen.  In 2004 trat die Zollunion in Westafrika in Kraft und Gambia verlor seine größte Einnahmequelle, den Zoll aus dem Hafen, denn nun durfte Ware unverzollt den Hafen verlassen um nach Mali, Guinea, Niger oder Senegal transportiert zu werden. Hilfreich war auch Gaddafi, der sehr viel in Gambia investiert hatte. Mit dem Untergang Gaddafis ging es auch Gambia schlechter. Ab diesem Moment muss auch den gambischen Staatschef die Sorge befallen haben, für eine Zukunft nach seiner Amtszeit vorzusorgen. Das er dabei anscheinend die Staatskassen bis zum totalen Bankrott des Landes geplündert hat, ist für die heute dort lebenden Menschen sehr bitter.

Es lohnt sich nicht zu arbeiten

Die Statistiken der Zahlungsströme der Migranten aus Gambia an ihre Heimat zeigen, das die Geldsendungen aus dem Ausland ab dem Jahr 2011 drastisch ansteigen. Ein weiteres Argument für Migration könnte der starke Verfall der gambischen Währung Dalasi gewesen sein. Schon seit 2002 rutschte die Währung ständig ab. Da fast alles in Gambia importiert werden muss, stiegen entsprechend die Preise. Nur die Gehälter, die gingen nicht mit. So war mit Arbeit das Leben in Gambia nicht mehr zu verdienen. 

Als Beispiel ein aktuelles Stellenangebote z.B. des GTTI. Eswird ein Leiter/Direktor für den Bereich Berufsbildung gesucht, der einen Masters Abschluss einer renomierten europäischen Universität und mindestens 3 Jahre Management Erfahrung haben soll. Geboten wird ein Gehalt von umgerechnet knapp 90 Euro im Monat, eines der höchsten Gehälter in der Besoldung in Gambia.


Legal sind kaum Reisen möglich

Je mehr Menschen illegal migrierten, desto schwieriger wurde es für junge Menschen, für Ihre Ausbildung ins Ausland zu gehen. Auch Fortbildung für die älteren gab es aus Geldmangel wenig und privat ins Ausland zu reisen ist nur sehr wenigen Eliten des Landes möglich. Die Ausbildung im Land selbst ist für viele Familien zu teuer. Ausserdem ist die Qualität nicht mit der in Europa zu vergleichen. Gleichzeitig setzen Eltern darauf, dass Ihre Kinder das Geld verdienen, von dem sie im Alter leben werden, denn ein staatliches Renten- oder Sozialsystem gibt es nicht.

Wo sind die Vorbilder

Von denen, die in Europa waren hört man „selbstverständlich“ nur positives. Was sie möglicherweise erlitten haben, wird kollektiv verschwiegen. Wer doch davon spricht, wird als Miesmacher, der den anderen das Glück nicht gönnen will abgetan. Man geht nach "Babylon", um es zu etwas zu bringen, damit die Eltern und Familie stolz auf einen sein können. Dafür sind die jungen Menschen bereit, Ihr Leben zu riskieren. Die anderen haben es ja auch geschafft.

Aber in letzter Zeit sind die jungen Leute, die sonst mit Enthusiasmus von der ultimativen Lösung „backway“ überzeugt waren, stiller geworden. Zu viele fehlen, werden vermisst oder man weiss sogar mit Sicherheit, das sie die gefährliche Reise nicht überlebt haben. Und dennoch, Reisen, Mühe und Gefahren überstehen, zählt zu den Grundwerten der gambischen Kultur.

Zwar gibt es auch Gambier, die in Gambia Karriere gemacht haben, aber die halten sich zurück und möchten unerkannt bleiben. Zu groß ist die Angst vor Neidern, die alles zerstören könnten oder davor, das die restliche Familie unangemessen permanent Hilfe und Unterstützung fordern könnte. Das hat die fatale Folge, dass den jugendlichen andere Vorbilder als die er erfolgreichen illegalen Migranten eine alternativen Weg weisen könnten. So gibt es in manchen Dörfern oder Stadtteilen kaum mehr junge Männer.

Gemeinsam für die Zukunft der Jugend

Durch den Staatsbesuch werden Grundlagen für eine zukünftige Projekte gelegt. Insbesondere bei der Ausbildung wird es eine Zusammenarbeit von Gambia und Baden Württemberg geben. Ein diesbezüglicher Vertrag soll am Donnerstag unterzeichnet werden.

Eine hochrangige Delegation aus Politik und Wirtschaft Deutschlands begleitet den Bundespräsidenten auf seinem Besuch.

Kurzprogramm:

Mittwoch, 13. Dezember 2017

13.30 Uhr [MEZ-1] Flug nach Banjul/Gambia
16.30 Uhr [MEZ-1] Ankunft in Banjul und Begrüßung mit militärischen Ehren durch den Präsidenten der Republik Gambia, Adama Barrow
18.00 Uhr Delegationshotel Gespräch mit Vertretern der Zivilgesellschaft, moderiert durch den Menschenrechtsanwalt, Gaye Sow
19.30 Uhr Ansprache des Bundespräsidenten beim Staatsbankett zu seinen Ehren, gegeben vom Präsidenten der Republik Gambia

Donnerstag, 14. Dezember 2017

9.00 Uhr, Krankenhaus des Arbeiter-Samariter-Bundes Rundgang und Gespräch

10.00 Uhr, Gambia Technical Training Institute (GTTI) Rundgang und Gespräch mit Rückkehrern und Vertretern von Nichtregierungsorganisationen
11.30 Uhr, Delegationshotel Gespräch mit dem Präsidenten der Republik Gambia
anschließend Pressebegegnung
14.15 Uhr, Amadou Bansang Jobarteh-Musikschule Besuch der Schule und Gespräch
15.00 Uhr Abflug

 

 


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