Mait Diop, erste afrikanische Frau nimmt am Filmfestival in Cannes teil

Als erste "Women of Colour" nimmt die junge Senegalesin Mati Diop offiziell am Wettbewerb des Festivals teil. Gefeiert wird dies als großer Erfolg nicht nur für die afrikanischen Filmschaffenden sondern weil sie die erste farbige Frau ist, die im Wettbewerb um die berühmte goldene Palme steht. 

Atlantique - aktuelle Themen aus Gesellschaft und Politik künstlerisch verpackt

Die Mischung aus aktuellen Themen (Zwangsheirat, Flucht nach Europa, Tod auf dem Meer, die neuen zahllosen Bauten um Diamniado und die neuen Häfen, ...) und afrikanischer Spiritualität verwirren den Zuschauer, der sich mit dem Leben und den aktuellen Fragestellungen im Senegal nicht auskennt. Aber selbst dann kann man die tiefen Gefühle spüren und die Fragestellungen miterleben. Dabei hat sich Mati Diop am Vorbild von Ulysses orientiert und versucht die Distanz zwischen den Romanfiguren und dem Zuschauer aufzuheben und den Zuschauer teil des Geschehens sein zu lassen und für die Dauer des Films in das Bewusstsein des Zuschauers einzudringen. Dabei bleiben nach dem Film Eindrücke zurück. Dies sind zum Teil emotionale Erfahrungen. Der Inhalt wirft aber auch Fragen auf, Fragen, die den Zuschauer dazu anregen mögen, sich für die Thematiken zu interessieren.

Im Film geht es um die Liebe eines jungen Paares. Eine Geschichte, ein wenig wie Romeo (Souleiman) und Julia (Ada) und dennoch auf der Basis typischer senegalesischer traditioneller Probleme. So ist es bis heute noch teilweise üblich, das die Eltern den Ehepartner ihrer Kinder bestimmen. Ada liebt Souleiman, ist jedoch dem reichen Omar versprochen. Souleiman arbeitet auf einer der Großbaustellen am Rande Dakars und wird schlecht bezahlt bzw. ist zuletzt nicht bezahlt worden. Diese Hoffnungslosigkeit treibt Souleiman und einige Freunde dazu, sich mit der Piroge auf den Weg nach Europa zu machen. Es geht schief und die jungen Männer sterben auf See. Nun wird es etwas mystisch. Der Geist Souleimans tritt mit Ada in Kontakt und ihre Liebe geht weiter. Die Hochzeitsnacht von Ada mit Omar wird jäh durch ein Feuer unterbrochen, für das es keine weltliche Erklärung gibt. Die Menschen, die Souleiman böse mitgespielt haben werden heimgesucht. So wird der Bauherr, für den Souleiman gearbeitet hatte von blinden Frauen heimgesucht, die Geld fordern. Für westliche Zuschauer ist das alles sehr Fantasy, im Senegal hat der Glaube an Mythen und Vodoo ähnliche Praktiken auch heute noch eine feste Rolle im Alltag. 

Der Film versucht nicht ein Dokumentarfilm zu sein. Diop hat sich die künstlerischen Freiheiten genommen, die Emotionen und Sorgen, die die Menschen im Senegal bewegen festzuhalten und doch in ihrer eigenen Weise in einem Fiction Format umzusetzen. Der Film ist in der afrikanischen Sprache Wolof gedreht und wird mit Untertiteln gezeigt. Damit ist sie ihrem berühmten Onkel Mambéty gefolgt, dessen Filme ebenfalls in der Landessprache gedreht waren. Es lässt die Dialoge authentischer wirken. Ausserdem ist es ein moderner Trend der senegalesischen Künstler, die eigene Muttersprache der senegalesischen Amtssprache französisch vorzuziehen. 

Wer ist Mati Diop?

Zunächst hatte Mati Diop einige Dokumentarfilme und Kurzfilme gemacht, danach einen ersten Film "Mille Soleils". Auch das Thema Atlantique war zunächst ein Kurzfilm. Dann wurde es schließlich zu einem Spielfilm, um der Vielschichtigkeit der Thematik gerecht werden zu können. 

Als Nichte des berühmten senegalesischen Filmemachers Djibril Diop Mambéty, der 1992 mit Hyènes im Festival de Cannes präsent war, hat sie die Leidenschaft für das Filme machen geerbt. Mati Diop, geboren 1982,  ist die Tochter des Jazz Musikers Wasis Diop («Toxu»). Zwar ist sie in Paris aufgewachsen, aber ihre senegalesischen Wurzeln haben sie nicht losgelassen. Djibril Diop Mambéty, Ihr berühmter Vorfahre, ist im Senegal eine Legende. Er hat über lange Zeit die Standards gesetzt. Damals, als es noch große Kinosäle in Dakar gab, damals in den Zeiten von Cheik Anta Diop und Leopold Sedat Senghore, als Kultur und Kunst einen sehr hohen Stellenwert im Leben der Senegalesen hatte. Ein inspirierendes Erbe und sicherlich auch eine Herausforderung. 

Mehr im Netz zu Mati Diop 

Offizielles Video Festival International du Film Cannes

Videoclip Mati Diop auf dem roten Teppich von Cannes AFP

 

Infos zum Film: 

Schauspieler: Mama Sane, Amadou Mbow, Ibrahima Traore, Nicole Sougou, Aminata Kane, Mariama Gassama, Coumba Dieng, Diankou Sembene
Produktion: A Les Films du Bal, Cinekap, Frakas Productions production
Regie Mati Diop
Script: Mati Diop, Olivier Demangel
Produzent: Judith Lou Lévy, Eve Robin
Produktionsleitung: Oumar Sall
Kamera: Claire Mathon
Künstlerische Leitung: Toma Baqueni, Oumar Sall
Kostüme: Rachele Raoult, Salimata Ndiaye
Schnitt: Ael Dallier-Vega
Musik:Fatima Al Qadiri
Casting: Mati Diop, Bahijja El Amrani
Vertrieb: MK2
Dauer: 95 Minuten