Geschäfte mit dem „Paten von Westafrika“ - der $10 Billionen Energie Skandal im Senegal

Aliou Sall auf seiner Pressekonferenz  3 Juni 2019. Christophe Van Der Perre / REUTERS

Eine schockierende Entdeckung oder Missverständnisse? Was ist dran an den Gerüchten, das Macky Sall, der Präsident Senegals, die Rechte für die Ölfelder an eine Scheinfirma vergeben hat um selbst abzukassieren? Gibt es einen Weg zu verhindern, daß das Geld nicht den Senegalesen zu Gute kommt? BBC News Africa hat aufwendig recherchiert und einen Dokumentarfilm dazu gemacht, der jetzt, Anfang Juni 2019 veröffentlicht wurde. Der Film sorge für großes Aufsehen. 

Die Gas und Ölvorkommen, die unter Senegal, Gambia.Guinea Bissau und Mauretanien gefunden wurden sollen gigantisch sein. Es soll sich um mehr als 60 Billionen Kubikmeter Gas und entsprechende Ölreserven handeln. Damit könnte der Lebensstandard der Menschen in der Region wesentlich verbessert und Wohlstand erreicht werden. Nur dafür muss es eben ins Budget des Staates fließen. Statt dessen ist es wohl in privaten Taschen verschwunden, noch bevor je ein Tropen Öl gefördert wurde.

Nachdem über Ölvorkommen in der Region gesprochen wurde, hatte Senegal 2011 nach einer Firma gesucht, die Tests macht. 6700 Quadratmeilen vor der Küste Senegals wurden in 2 Tranchen angeboten. Schon da hatten sich einige der großen Ölfirmen beworben aber letztendlich wurde das Projekt 2012 an eine bis daher unbekannte Firma vergeben “Petro-Tim Limited”.

Ist Frank Timis der "Pate in Westafrika"?

Eine Firma, die bis dahin noch keine Aktivitäten oder Expertise im Zusammenhang mit Öl vorweisen konnte. Eine Firma, die Ihre offizielle Adresse in einem Apartment in Dakar hatte und mittlerweile unbekannt verzogen ist. Die Verkaufsunterlagen für die Ölrechte sind datiert Dez. 2011, da war die Firma Petro-Tim Ltd noch garnicht gegründet. Das geschah erst 6 Wochen später durch den Rumänischen Geschäftsmann Frank Timis, der, so BBC, bereits mit Heroinhandel in den 90er Jahren straffällig gewesen sein soll.

Auch in anderen afrikanischen Ländern habe er bereits große Bergbau Projekte in den Sand gesetzt (BBC zeigt Einspieler aus Sierra Leone und Burkina Faso). Er selbst soll sich gerne der “Pate von Westafrika” nennen. Frank Timis hatte zwei Firmen an der UK Junior Börse gelistet. Eine davon wurde wegen Verletzung der Menschenrechte angeklagt, die andere wurde mit dem höchsten Bußgeld belegt, das jemals verhängt wurde. Er hatte Investoren angelogen und von Ölfeldern, von denen man wußte, da wird nie Öl fließen immer noch behauptet, das es sehr lukrativ sei dort zu fördern. Timis Anwälte behaupten, er sei in diesen Firmen nur ein unbedeutender kleiner Teilhaber gewesen. Ausserdem habe man Ihn untersucht und von den Anschuldigungen frei gesprochen worden.

Schließlich gelang es BBC eine Festplatte von Timis zu bekommen. Darauf befinden sich zahlreiche Dokumente über seine internationalen Aktivitäten. So zahlte er über 14 000 Pounds für seine Wohnung in England und tausende von Pounds für exklusive Restaurantbesuche. Aber Steuern bezahlt er fast keine. In 2017 waren es gerade einmal 35.20 und im Jahr zuvor 0 Pfund. Das Geld verdient er in Offshore Firmen und die Auszahlungen lässt er als Kredite deklarieren. So muss er diese nicht versteuern. Frank Timis Anwälte streiten alle Anschuldigungen zu Steuerhinterziehung ab. Auf dieser Festplatte waren auch Daten über die Geschäfte mit Senegal. Es ist ja schon komisch, das eine kleine unbedeutende Firma den Zuschlag bekommt und große Ölfirmen ausstechen kann.

Kassierte Macky Sall das Land ab?

012 war das Jahr, in dem Macky Sall zum Präsidenten gewählt wurde. Er versprach die Korruption zu bekämpfen und sich an die Regeln von „Good Governance“ zu halten. Er leitete eine Untersuchung von Timis ein. Der Untersuchungsausschuss kam zu dem Ergebnis, das Timis die Lizenzen abgeben müsse, aber Präsident Sall erlaubte Timis sie doch zu behalten. Kassierte der Präsident das Land ab über eine Firma Timis Cooperation? „Warum“ so fragen sich die Leute „sollte eine Firma, die niemand kennt 30% der Ölvorkommen besitzen?“ In 2016 gab es bereits die ersten Diskussionen und Demonstrationen.

Steckt hinter alle dem der Bruder des Präsidenten, Aliou Sall?

Der hatte zwar noch nie zuvor in der Energiebranche gearbeitet. Jedoch wird er Country Manager / Berater mit einem Gehalt von 25.000 US$ monatlich für die Dauer von 5 Jahren, so ein Vertrag vom 27. April 2012. Ausserdem bekommt er demnach noch Aktien im Wert von 3 Mio $ in Timis anderen Firmen. Aber nur unter einer Bedingung: Präsident Macky Sall muss zustimmen, das Timis die Rechte an den Ölfeldern behält. Zwar weisen Aliou Sall und Frank Timis alle Vorwürfe von sich. Aber es gibt weitere Dokumente, die den Verdacht der Korruption erhärten.

Timis selbst hatte kein Kapital für Probebohrungen. 2014 kam die Firma Kosmos Energy ins Spiel. Sie finanzierten die Probebohrungen und finanzierten einen Teil von Timis Aktivitäten. Timis selbst war also nur Zwischenhändler. Kosmos war erfolgreich und konnte ein großes Öl- und Gasfeld vor der Küste Senegals und Mauretaniens finden. Fachleute schätzen es könne sogar eines der bedeutendsten Felder der Welt sein. Es wird auf ein Volumen von mindestens 60 Billionen Kubikmeter Gas geschätzt. Davon träumen auch die ganz großen der Ölbranche. Und so meldete BP Interesse.

Die Rolle von BP

artnern zusammenzuarbeiten. Und doch waren sBP bereit mit Timis Geschäfte zu machen. 2016 bot BP Timis 250 Mio $ für seine Anteile an den Ölfeldern, doch damit nicht genug. BP wird in den nächsten 40 Jahren noch Lizenzgebühren in der Höhe von ca. 9 – 12 Billionen $ zahlen. Timis begründet seinen Anspruch damit, dass er viel Geld investiert und riskiert und sehr viel Aufwand betrieben habe, um gute Käufer zu finden.

Einen so großzügigen Lizenzvertrag hatte die Ölindustrie weltweit bis dahin nicht gesehen. Dabei weiß BP nicht einmal wohin die Zahlungen gehen, denn Timis gehört nicht nur Frank Timis sondern noch mehreren dubiosen Offshore Firmen. BP behauptet zwar alles zur Korruptionsvermeidung getan zu haben. Dennoch sind Schriftstücke aufgetaucht, die beweisen, das BP davon wusste, dass Aliou Sall involviert ist. Eine Anweisung von Timis 250.000 $ in den Senegal zu schicken, angeblich für Steuerzahlungen wurde statt dessen an eine Firma Agritrans SARL gesendet, die Aliu Sall gehört. Timis bestreitet weiterhin jeden Korruptionsvorwurf. Sall will das Geld nie angefordert haben, die Dokumente die BBC gefunden hat sagen etwas anderes.

Aliou Sall wehrt sich auf einer Pressekonferenz gegen die Anschuldigungen.

Aliou Sall gibt anlässlich der Reportage und Anschuldigungen eine Pressekonferenz. Er tut die Reportage der BBC als ein Akt der Opposition ab. Er nennt den Dokumentarfilm unprofessionell und unterstellt der BBC Beeinflussung und Meinungsmache in Gemeinschaft mit der Opposition. Er habe keine Kenntnis von solchen Verträgen und hätte sich auch nie mit jemandem von BP getroffen. Sein Gehalt sei Vertraulich und illegaler Weise publiziert. Die Höhe sei branchenüblich. Seine Qualifikation war ausreichend für die Position, denn es komme in einer solchen Position darauf an als Vermittler zwischen Investoren und nationalen Entscheidern zu fungieren. Diese Qualifikation habe er aber er habe nie eine Prämie für irgendeine Vermittlung erhalten.

Aliou Sall meinte er wolle die Existenz von Agritrans zu keiner Zeit abstreiten. Er habe aber darüber keine Gelder aus der Transaktion erhalten. Er habe zu keiner Zeit Gelder für Steuerzahlungen im Senegal verlangt und er könne sich nicht erklären, wie die Firma Agritrans in einem solchen Zusammenhang genannt wird. Er vermute das die Angaben nur dazu gedacht sind Ihn anzuschwärzen. Ausserdem sei die Firma nicht mehr aktiv seit er bei der Regierung arbeitet. Nach dem Regierungswechsel habe er seinen Posten als Entsandter für Wirtschaftsfragen in China niedergelegt. Er habe bei der vorherigen Regierung gearbeitet und hätte es unpassend gefunden, nach dem Machtwechsel weiter im Amt zu bleiben.

Als der Vertrag zwischen Senegal und Petol Timis unterzeichnet wurde, war Macky Sall noch nicht Präsident. Das dazu notwendige bestätigende Dokument wurde von Präsident Abdoulie Wade und vom Minister Karim Wade und dem Premier Minister Njie unterzeichnet. Allerdings hat Macky Sall das nach der politischen Wende noch einmal bestätigt. Er, Aliou Sall wäre noch nie von irgendeinem Untersuchungsausschuss in irgendeiner Form befragt worden, noch sei Ihm die Existenz eines Untersuchungsauschusses bekannt.

Für die Senegalesen ist diese Nachricht schockierend.

Frensehen, Radio, und Zeitungen sind voll davon. Jeder meldet sich zu Wort. BBC spricht es direkt an, das die Menschen in Senegal wieder einmal um viel Geld betrogen worden sind. Bitter sei dass, denn in einem Land mit so viel Armut hätte das Geld viel verändern können. Sie halten Mr. Timis für korrupt und BP hat ihm geholfen abzukassieren. Weltweite Praktik ist, so Adama Gaye, ein Experte, das bei Vertragsunterzeichnung eine einmalige Lizenzgebühr an den Staat entrichtet wird. Das in Senegal praktizierte Modell ist eine unverschämte Ausbeutung des senegalesischen Volkes.

Wades unglückliches Erbe oder bewußte Korruption?

War es nur eine unglückliche Folge der Aktivitäten von Wade, der bekannt dafür war Gelder in Maffia Art in seine persönliche Tasche umzuleiten. Dann hätte Macky Sall sofort handeln müssen. Die Frage ist, wie es nun weiter geht. Bekannt ist das Thema schon seit 2016. Passiert ist bisher nichts. Gut wäre es, wenn Presse und Politik die Angelegenheit strikt verflogen und die Verträge auflösen würden. Jedenfalls hat Macky Sall das in seiner Rede am 3.6.2019 zugesagt. Der Oppositionsführer Ousmane Sonko hat die Bevölkerung zu weiteren Demonstrationen aufgerufen bis entsprechende Maßnahmen getroffen sind. Es wird als spannend bleiben.

 

Hier der Bericht, der 

 

 

Quellen:

< http://westafrikamagazin.de/index.php/themenkat/27-wirtschaftspolitik/71-geschaefte-mit-dem-paten-von-westafrika-ist-macky-sall-in-korruption-involviert